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Aachner Zeitung · April 2024

Lotus String zelebriert deutsche Klassik

„Musik ist höhere Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie” - diese Worten von Beethoven konnte der Konzertbesucher des jüngsten Jülicher Schlosskonzertes der Saison nachempfinden.

28.04.2004

Das Lotus String Quartett zelebrierte Werke der deutschen Klassik mit der Inbrunst und Ehrfurcht, die den japanischen Musikern eigen ist.

Mit technischer Perfektion, mit musikalischem Empfinden und Feingefühl, mit ausgewogenem Zusammenspiel gelang ihnen ein Konzertabend der Sonderklasse.

Sachiko Kabayashi (Violine), Aya Fujimori (Violine), Tomoko Yamasaki (Viola) und Chihiro Saito (Violoncello) brachten zu Beginn das Streichquartett A-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart. Bachsche Kontrapunktik und Haydnsche motivisch-thematische Durcharbeitung sind bei diesem Werk bestens gelungen.

Das Ensemble entfaltete einen unnachahmlichen Klangzauber. Es musizierte mit unglaublicher Leichtigkeit und doch großer Intensität im Menuett, wobei das Trio ein wenig wie ein ruhender Pol in der künstlerischen Hochspannung wirkte.

Sechs Mal veränderte Mozart sein klassisch ausgewogenes Thema im Andante fern jeder Figurationsäußerlichkeit. Chromatisch farbenreich beschließt der Finalsatz dem Kopfsatz melodisch verwandt das eindrucksvolle Werk.

Eine kompromisslose Sprache spricht Ludwig van Beethoven in seinem Streichquartett e-Moll - ein Kontrast zu dem Mozartschen Werk. In der Grundstimmung pessimistisch, fast zerrissen wirkt der erste Satz des Quartettes.

Fast mit Erleichterung lässt sich der Zuhörer auf den zweiten Satz, das „Molto Adagio” ein. Das Hauptthema klingt wie ein Choral, religiöse Momente sind unüberhörbar. Den Musikern gelang ein weicher, voller Streicherklang, der die Musik zu einem ehrfürchtigen Erleben werden ließ.

Ein graziöses Scherzo mit schlichten, fast folkloristisch anmutenden Themen und ein temperamentvoller Schlusssatz forderte die Virtuosität der Musiker bis zur Zerreißprobe.

Gefühlvoll

Im zweiten Programmteil folgte von Franz Schubert das Streichquartett d-Moll, bekannt unter dem Titel „Der Tod und das Mädchen”. Das gesamte Werk wirkt wie eine Paraphrase auf das gleichnamige Gedicht von Claudius.

Von einer düsteren Leidenschaft geprägt, von hoher Dramatik entwickelt sich das Werk zu einem langen, bitteren Totentanz. Aber auch Momente des Trostes und der Zuversicht finden sich in einer Dur-Variation und im Trio.

Schubert spricht eine deutliche Tonsprache, die von dem Ensemble Lotus String Quartett bestens verdeutlicht wurde. Die Gefühlsaspekte und die jeweiligen Stimmungslagen wurden besonders im Variationssatz deutlich. Jede der Musikerinnen war Solistin und doch harmonisch in das Ensemble im Zusammenspiel eingebettet.

Die jungen japanischen Künstlerinnen bekamen großen und herzlichen Applaus, für den sie sich mit einer Zugabe bedankten.

— hivi